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27.04.2015, 15:35 Uhr
Thema: Würdevoll Sterben
Am 22. April 2015 hatte der CDU Gemeindeverband Molbergen seine Mitglieder und alle Interessierten zum Thema "Würdevoll Sterben" eingeladen. Die Veranstaltung fand im Gemeindesaal der evangelischen Kirche Molbergen, Zum Schifflein Christi, statt.
Molbergen - Vorab fand eine kurze Andacht im Kirchenraum statt. Im Anschluss stellte Pfarrer Dr. Oliver Dürr seine Kirchengemeinde sowie den in 2014 neu erstellten Anbau vor. Dieser Anbau war erforderlich, da die Kirchengemeinde über die letzten Jahrzehnte stetig gewachsen ist, was auch mit den Zuzug von Neubürgern ab den 90-Jahren verbunden war. Damals wurde ein Teil der Kirche als Gemeinderaum abgetrennt, wofür jetzt ein eigenständiger Gemeinderaum zur Verfügung steht.

Nach der Kirchenbesichtigung begrüßte der CDU-Vorsitzende Sebastian Vaske alle Anwesenden und gab mittels statistischer Zahlen eine inhaltliche Hinführung zum Thema Sterben und Sterbehilfe.

Pastor Olaf Grobleben, der in der evangelischen Kirche Oldenburg Beauftragter für Ethik und Weltanschauungsfragen ist, bedankte sich für die Einladung und begann seinen Vortrag zum Thema Sterbehilfe.

Er stellte zu Beginn des Vortrages klar, dass die evangelische Kirche kein Lehramt kenne und er als Ethikbeauftragter der evangelischen Kirche keine richtige oder falsche Antwort zum Thema Sterbehilfe geben kann. Er wolle Denkanstöße vermitteln, damit jeder Einzelne seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen kann.

Dass der Deutsche Bundestag, Ende des Jahres, ohne Fraktionszwang über das Thema Sterbehilfe abstimmen wird, begrüßt Herr Grobleben. Es handelt sich um ein schwieriges Thema, über das frei nach eigenem Gewissen entschieden werden sollte.

Rechtlich gesehen geht es in der Debatte um den §216 des Strafgesetzbuchs.

Dieser lautet: "Ist jemand durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Getöteten zur Tötung bestimmt worden, so ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen. Der Versuch ist strafbar."

Grundsätzlich unterscheiden wir in folgende Arten von Sterbehilfe:


Aktive Sterbehilfe: Eine dritte Person (z.B. ein Arzt) verabreicht eine Giftspritze.
Dies ist in Deutschland nicht erlaubt!
Passive Sterbehilfe:   Ein Arzt lässt den Patienten sterben und verzichtet auf lebensverlängernde Maßnahmen.
Dies ist in Deutschland erlaubt, wenn es dem Willen des Patienten entspricht (Patientenverfügung).
Indirekte Sterbehilfe: Hierbei geht es nicht direkt ums Sterben, sondern um die Linderung von Schmerzen. Durch die Verabreichung hoch dosierter Schmerzmittel wird aber als Nebenfolge der Tod des Patienten in Kauf genommen.
Assistierter Suizid / Beihilfe zur Selbsttötung: Der Kranke tötet sich selbst, etwa indem er einen tödlichen Arzneinmittelcocktail einnimmt.
In Deutschland ist diese Form der Sterbehilfe derzeit straflos. Die Rechtslage für Ärzte ist unklar.

Es geht in der aktuellen politischen Debatte ausschließlich um Suizidbeihilfe – die bestehenden Regelungen zur „Aktiven Sterbehilfe (Tun)“ und „Passiven Sterbehilfe (Unterlassen)“ bleiben hiervon unberührt. Kern der Debatte sind unterschiedliche Gesetzesentwürfe zur „organisierten Suizidbeihilfe“. Hier kann noch zwischen Sterbehilfeorganisationen mit und ohne Gewinnerzielungsabsicht unterschieden werden. Auch ein Suizidbeihilfeangebot von Ärzten wird in diesem Zusammenhang diskutiert – stellte Grobleben vor.

Im Anschluss vom Vortrag wurde über unterschiedliche Möglichkeiten diskutiert, wie der Gesetzgeber mit dem Thema Sterbehilfe in der Zukunft umzugehen hat oder ob es überhaupt notwendig ist, die bestehen Vorschriften zu ändern. Von Seiten einiger Teilnehmer bestanden Ängste, dass im Falle einer Liberalisierung der jetzigen Gesetzeslage die „organisierte Suizidbeihilfe“ zu einer Art  "Sozialen Normalität" werden könnte.

Im Verlauf der Diskussion wurden unterschiedliche Sichtweisen deutlich. Einigkeit bestand darin, dass das Thema nicht auf das laufende Gesetzgebungsverfahren reduziert werden kann. Mit Blick auf den demographischen Wandel müssen wir intensiv an guten Rahmenbedingungen für eine älter werdende Gesellschaft arbeiten, in der es immer mehr Ältere, Pflegebedürftige und Sterbende geben wird. Es bedarf daher, neben der geplanten Gesetzgebung zur Beihilfe zum Suizid, bessere Rahmenbedingungen für die Hospiz- und Palliativversorgung, so aus der Teilnehmerrunde.

„Der Ruf nach einer organisierten Suizidbeihilfe darf nicht aus der Angst erwachsen, alleine und unter Schmerzen sterben zu müssen. Jeder Mensch muss die Gewissheit haben, dass er in der letzten Phase seines Lebens Unterstützung und Begleitung erfährt. Die stationäre und ambulante Palliativversorgung  muss dafür entsprechend ausgestattet sein. Zudem muss auch die tragende Rolle von Angehörigen Wertschätzung erfahren,“ so Gemeindeverbandsvorsitzender Sebastian Vaske zum Abschluss der Veranstaltung.
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